Vigne Chigi

Pallagrello


Eher unproduktiv und sehr empfindlich, ist der Pallagrello eine jener autochtonen Rebsorten, die in besonderem Maße zur önologischen Wiedergeburt der Region beiträgt. Es handelt sich um eine der wenigen, direkt aus dem Gebiet von Caserta stammenden Rebsorten, deren Trauben sowohl in einer weißen als auch einer roten Variante existieren, mit kleinen Rispen und vollkommen runden Trauben. Darauf weist auch der Name “U Pallarel” im einheimischen Dialekt hin, also Pallagrello, die kleine Kugel. Vermutlich stammt die Rebsorte aus dem antiken Griechenland. Aber auch im alten Rom stoßen wir auf Spuren von ihr, dort hieß sie “Pilleolata”. Sie wird vorallem in den Gemeinden Caiazzo, Castel di Sasso, Pontelatone, Formicola, Castel Campagnano, Piedimonte Matese, S.Angelo d'Alife, Allignano und Ruviano angebaut.
Aufgrund seiner herausragenden Qualität wurde der aus diesen Trauben gewonnene Wein (von Anbeginn) von den Bourbonenherrschern sehr geschätzt, vorallem von Ferdinand IV., der nicht zögerte, ihn bei Hofe neben anderen großen ausländischen Weinen ausschenken zu lassen.
Er ließ ihn im berühmten “Weinfächer” anbauen, der zwischen dem Monte S.Silvestro und dem Belvedere von S.Leucio lag. Dabei handelte es sich um einen in 10 Segmente unterteilten Halbkreis, von dem zwei Abschnitte dem Pallagrello vorbehalten waren, einer der weißen und einer der roten Variante, die man zu jener Zeit noch “Piedimonte Bianco” und “Piedimonte Nero” nannte.
Freilich ging die Hinwendung des Königs in diesen Dingen deutlich weiter: so untersagte er gar per Dekret das bloße Durchqueren eines Weinberges in Monticello, einem Ortsteil des Städtchens Piedimonte Matese.
Der Pallagrello ist ein sehr komplexes Gewächs, die Ernte der Weißweintrauben erfolgt Mitte September, die Lese der roten Sorte zwischen Ende Oktober und Anfang November; an die Faßreife muß man mit Fingerspitzengefühl herangehen und die Verfeinerung auf der Flasche ist ergiebig.
Der im Holzfaß vergorene Weißwein hat goldgelbe Farbe, mit voller Blume, die Nuancen von Honig, Ginster und Pfirsich verrät; sein Geschmack ist weich, reichhaltig und ausgewogen, von langer Nachhaltigkeit. Im Stahltank vergoren, wartet er mit strohgelber Farbe auf, in der Nase wird der Duft von Apfel, Ananas und Melone deutlich, sein Geschmack ist ausgewogen und von angenehmer aromatischer Nachhaltigkeit.
In der “schwarzen” Version stellt sich der Wein bedeutend dar, von großer Struktur und intensiver rubinroter Farbe. Sein aromatisches Profil wird im Wesentlichen von Nuancen roter Früchte, Tabak und Brombeerkonfitüre beherrscht, der Geschmack ist harmonisch, samtweich, die aromatische Nachhaltigkeit ist sehr ausgiebig und verklingt nur langsam.